Originalkommentar von Serge Hochar: “ Scarlet in colour with terracotta tones at the rim, it has a complex nose of cigar box spice, warm leather, baked fruits, ripe morello cherries and blackcurrants. The palate has intense flavours of red cherries, dark chocolate, olives, figs and velvet smooth tannins on the very long finish.”
Wenn man bedenkt, dass im Bekaa Valley schon seit babylonischen Zeiten Wein angebaut wird, erscheint die etwa 70 jährige Geschichte Château Musars eher kurz. Immerhin lang genug für die Hochars, aus Cabernet Sauvignon, Cinsault und Carignan einen Weltklassewein zu erzeugen, der wohl kaum noch als Geheimtipp bezeichnet werden kann.
Dabei versucht der engagierte Besitzer Serge Hochar, die Zusammensetzung der Cuvées in jedem Jahr den Gegebenheiten so anzupassen, dass ein optimaler Wein entstehen kann - mal an einen klassischen Bordeaux, dann wieder an einen großen Rhônewein erinnernd -, immer jedoch mit der ihm eigenen, ausgeprägten Individualität.
Im November 1993 hatten wir im Restaurant Grand Slam die Gelegenheit, gemeinsam mit Serge Hochar 22 Jahrgänge dieses außergewöhnlichen Weines einem interessierten Publikum vorzustellen. Für die einen völliges Neuland, für die anderen die Gelegenheit, ihren Geheimfavoriten in der ganzen Bandbreite zu studieren, faszinierte Château Musar die Teilnehmer mit einer unglaublichen Vielfalt an Eindrücken; bei den Rotweinen bedingt durch die verschiedenen Reifestadien und die unterschiedliche Zusammensetzung der Cuvées in den einzelnen Jahrgängen und bei den weißen durch die ungewöhnliche, aber sehr gelungene Kombination der Rebsorten Chardonnay und Sauvignon Blanc. Aufgrund des gleichmäßig hohen Qualitätsniveaus der vorgestellten Weine gab es eine ziemliche Streuung der persönlichen Favoriten je nach bevorzugter Stilrichtung. Eines wurde jedoch sehr schnell deutlich: Die Rotweine benötigen mindestens 10 bis 15 Jahre, um an ihren Höhepunkt zu gelangen, denn obwohl die 1987er, 1986er und 1985er schon sehr gut zu trinken waren, eröffneten sich ab 1983 ganz neue Dimensionen.
Auf großes Interesse stießen auch die erstmals in Deutschland vorgestellten Weißweine von Château Musar - eine Cuvée der einheimischen Rebsorten Oibadeh und Merwah, was in etwa unserem Chardonnay und Sauvignon Blanc entspricht. Eine frische Säure verleiht dem herbfruchtigen Wein das nötige Rückgrat, und bis zu sechs Monate Reifezeit im kleinen Eichenfass fügen einen zarten Vanilleton hinzu.
Im April 2000 gab es bei Christie's in London ein großes Musar-Event anlässlich der Versteigerung eines bedeutenden libanesischen Privatkellers mit einer Verkostung von zahlreichen Jahrgängen aus vier Dekaden. Abends beim Dinner mit Serge Hochar und Musar-Aficionados aus aller Welt wurden dann weitere Raritäten gereicht, die nun kulinarisch begleitet in Ruhe genossen und diskutiert werden konnten. Hierbei zeigten u. a. auch ein paar von mir damals unterschätzte Weine ihr erstaunliches Entwicklungspotential, wie etwa der früher eher unauffällige 86er, der erst jetzt seine wahre Größe offenbart, oder der bereits nahe seinem Ende geglaubte 75er - er wirkte wie neu auferstanden und in voller Blüte.